2.3.2.3 Data-Snooping nach Baarda
Nach Gleichung 2.3.1/4 kann ermittelt werden, welchen Einfluss ein Datenfehler εi auf die zugehörige Verbesserung vi ausübt, und welchen Einfluss er auf den Lösungsvektor x hat.
Nimmt man nun an, dass nur ein einziger Datenfehler existiert und dass eine Verbesserung vi nur durch diesen einen Datenfehler verursacht wurde, so kann die Größe dieses Fehlers ∇li (lies: nabla l i) gemäß 2.3.1/4 geschätzt werden aus

Die Verbesserungen vi sind normalverteilt
, mit dem Erwartungswert Null und der Streuung . Setzt man einen kritischen Wert k fest, so ergibt sich eine Toleranzgrenze
, die nur mit der geringen Wahrscheinlichkeit α überschritten wird.

Ist also

so ist diese Messung zu verwerfen. Für ein α von 0.003 gilt ein Wert k=3, wenn die Redundanz groß ist; d.h., eine Messung liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7% innerhalb der Drei-σ-Grenze. Eine Normierung N(0,1) von 2.3.2/5 führt auf

mit dem Test
Für die praktischen Anwendungen kann für k ein Wert von 3,0 (entspricht 99,7%) bis 3,3 (entspricht 99,9%) empfohlen werden.
Dieser statistische Test nach Baarda (Formel 2.3.2/7) wird in BINGO durchgeführt, wenn die Option für Data-Snooping eingeschaltet ist.
Die Werte für
werden gelistet. Die Anzahl der als Augenmerk gedruckten Sternchen berechnet sich aus dem ganzzahligen Anteil von

Da dieser Test von der Anwesenheit nur eines groben Fehlers ausgeht, kann wegen der gegenseitigen Beeinflussung der Verbesserungen jeweils auch nur ein Fehler - nämlich der mit dem größten Wert
- aufgedeckt werden. Liegen mehrere große
-Werte vor, die jedoch aufgrund der Netzgeometrie nicht durch gegenseitige Beeinflussung entstanden sein können, so lassen sich auch mehrere Fehler gleichzeitig aufdecken.
Der Test nach Baarda ist sehr viel aussagekräftiger als die in Kapitel 2.3.2.2 angegebene Methode, weil nach Baarda die (aufwendig zu berechnende) Standardabweichung der Verbesserung eingeführt ist, siehe 2.3.2/6, die in 2.3.2/2 nur grob durch die Standardabweichung
der Beobachtung angenähert ist.
Die Werte ∇li können jedoch - insbesondere bei Redundanzanteilen
- unrealistisch große Werte annehmen, da 2.3.2/3 in solchen Fällen eine recht grobe Näherung darstellt. Die Verbesserung vi wird in solchen Fällen oft stärker durch Fehler in anderen Beobachtungen beeinflusst als durch Fehler in der zugehörigen Beobachtung li .