2.3 Modellfehler, Datenfehler und Zuverlässigkeit
Für die Ausgleichung nach vermittelnden Beobachtungen werden normalverteilte Beobachtungen mit bekannter Varianz vorausgesetzt. Das Ausgleichungsmodell berücksichtigt keine groben Fehler und unterstellt die Richtigkeit der eingeführten Standardabweichungen. In Wirklichkeit kommen jedoch grobe Fehler vor, auch sind die Annahmen über die Streuung der Messwerte nicht immer zutreffend. Insofern können also Modellfehler (falsche Standardabweichungen) oder Datenfehler vorliegen oder beide Fehlerarten.
Neben einer unzutreffend angenommenen Standardabweichung können Modellfehler auch aus falschen Annahmen über Zusammenhänge und Eigenschaften innerhalb des Blockes bestehen. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen.
- Eine Bündelausgleichung mit Bildern einer Amateurkamera kann bei schwacher Verknüpfung und geringer Überbestimmung durchaus "gute" Resultate in Form von kleinen Standardabweichungen und kleinen Verbesserungen liefern. Jedoch wird das angenommene Modell der Zentralprojektion und stabiler innerer Orientierung nicht erfüllt, so dass nicht nur das angenommene Modell, sondern auch das Ausgleichungsergebnis nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.
- Stereobedingungen für nicht synchron ausgelöste Stereoaufnahmen können das gesamte Ausgleichungsergebnis verfälschen.
- Objektbedingungen, wie z.B. Ebenenbedingungen mit falschen Annahmen über die Toleranz der Ebenheit, führen ebenfalls zu einem falschen Ausgleichungsmodell.
Treten also im Verhältnis zur Standardabweichung einer Beobachtung große Verbesserungen auf, so könnte außer einem Datenfehler auch ein Modellfehler vorliegen. Da sich Datenfehler und Modellfehler gegenseitig beeinflussen, erfordert deren Trennung neben umfangreichen Berechnungen im Programm auch eine sorgfältige Arbeitsweise des Benutzers.