9.3.2 Bündelblockausgleichung
Während ein räumlicher Rückwärtsschnitt nur der Bestimmung der sechs Orientierungsparameter eines Bildes dient, können in einer Bündelblockausgleichung gleichzeitig die Orientierungsparameter der Bilder sowie die Koordinaten der Objektpunkte berechnet werden. Ein zu berechnender Punkt muss dazu in wenigstens zwei Bildern unterschiedlicher Perspektive gemessen worden sein. Zusätzlich sind Passpunkte zur Lagerung und Stützung des Blockes erforderlich.
Als Eingabedaten werden mindestens benötigt:
- gemessene Bildkoordinaten der Passpunkte und der Verknüpfungspunkte (Neupunkte)
- Geländekoordinaten der Passpunkte
- Kamerakonstante und Hauptpunktslage der Aufnahmekamera
- Näherungswerte der äußeren Orientierung für alle Bilder (von RELAX)
Es kann sich dabei sowohl um Luftbilder, als auch um terrestrische Aufnahmen handeln. Auch können terrestrische Aufnahmen und Luftbilder gemeinsam verarbeitet werden.
Für die Näherungswerte der äußeren Orientierung gelten bezüglich der Güte die gleichen Anforderungen wie für die Einzelbildeinschaltung, jedoch muss die relative Übereinstimmung benachbarter Bilder - insbesondere bei den Aufnahmerichtungen - eher besser sein, da die Näherungskoordinaten der Neupunkte im Objektraum durch räumlichen Vorwärtsschnitt aus den Näherungsorientierungen der Bilder berechnet werden müssen. Üblicherweise werden diese Näherungen jedoch vom Programm RELAX ermittelt und haben die erforderliche Genauigkeit. Ein entsprechendes Beispiel steht im Verzeichnis \Bingo\DemoData\Simple_AT\.
Für einfache Anwendungen mit geringen Genauigkeitsanforderungen sowie für den Start der ersten Ausgleichung eines Blockes sind die obigen Angaben hinreichend. Für hohe Genauigkeitsanforderungen ist eine Verfeinerung des Ansatzes notwendig, um eine bestmögliche Anpassung des mathematischen Modells an die Wirklichkeit zu erreichen. Folgende weitere Möglichkeiten sind gegeben:
- Zur Beseitigung der Einflüsse systematischer Bildfehler können zusätzliche Parameter in die Ausgleichung einbezogen werden. Nicht notwendige Parameter werden vom Programm automatisch eliminiert.
- Kamerakonstante und Hauptpunktslage können als beobachtete Unbekannte in die Ausgleichung eingeführt werden, so dass zusammen mit den zusätzlichen Parametern eine vollständige Simultankalibrierung der Aufnahmekamera bzw. des photogrammetrischen Systems möglich wird.
- Da signalisierte Punkte in den Bildern genauer angemessen werden können als natürliche Punkte, können Punktgruppen unterschiedlicher Bildmessgenauigkeit definiert werden.
- Die Gewichte der Beobachtungsgruppen Passpunkte und Bildmessungen (getrennt nach den vorgenannten Punktgruppen) können nach der Ausgleichung geprüft und für die nächste Ausgleichung verändert werden (Varianzkomponentenschätzung).
- Für die Passpunkte können für jeden einzelnen Koordinatenwert eines jeden Punktes unterschiedliche Gewichte angesetzt werden. Dies ist sinnvoll, wenn z.B. die Koordinaten und die Standardabweichungen der Passpunkte vorher in einer Ausgleichung bestimmt wurden.